JENA, Bakenberg.

Titel: JENA, Bakenberg
Untertitel: Ein Teilzeitrelikt
Autor: Toralf Sperschneider
Fotografien: Toralf Sperschneider
Erschienen: 2011, Verlag Neue Literatur Jena

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Info/Inhalt:
Eingepackt in ein Kiefernwäldchen liegt zu Füssen des Ostseestrandes eine Bungalowsiedlung im DDR-Retro-Look der achtziger Jahre. Wie ein in der Zeit stehen gebliebenes Örtchen trotzt Jena, Bakenberg erfolgreich den Veränderungen des neuen Deutschlands - auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall noch.
Toralf Sperschneider öffnet den Generationen, welche die letzten Jahre der DDR noch erlebt haben, ein foto-poetisches Fenster und lässt in der Idylle des Verfalls Erinnerungen an grosse Sommerferien wach werden.

Vertrieb:
Die gebundene Ausgabe (Hardcover; 157 x 218 mm) ist unter der ISBN-Nummer 9783981435290 im Handel, Internet und bei meinen Lesungen erhältlich.

Im Rahmen der letzten Ausstellung in der Sparkassengalerie Jena (2016) wurde zusätzlich ein signierter, auf 50 Stück limitierter, broschierter Sonderdruck (297 x 210 mm, A4-Querformat) angefertigt. 
(Bestellungen bitte direkt per Email unter toralf.sperschneider@me.com)


Blick ins Buch

JENA, Bakenberg. Ein Teilzeitrelikt.

Die SONNE schien,
da sie keine andere WAHL hatte,
auf nichts NEUES.

Samuel Beckett

Manche Dinge, manche Orte
hatten fünfundzzwanzig Jahre, um stehen zu bleiben.
Einer dieser Orte,
der scheinbar noch nicht
von der neuen Epoche erweckt wurde,
liegt da versteckt,
wo Deutschland an seinem nordöstlichsten Punkt
ind die Ostsee greift.

Laternen ohne Licht ragen aus dem Boden
wie Zeiger einer längst stehen gebliebenen Uhr,
die man nicht mehr aufziehen möchte,
um ein wenig von dem zu inhalieren,
was unsere Kindheit und Jugend
aus einer gefallenen Epoche
geborgen hat.

Die Hütten strotzen
vor improvisierter Leichtigkeit,
die man unter deren Geburtsbedingungen hatte
und haben musste.
Sie reden davon
in stiller Blindenschrift,
um sie herum atmet die Veränderung,
das einzig Sichere.

Man kann sich des Hauches Vertrautheit
nicht erwehren,
der einem in die Nase steigt
gleich einem längst vergessenen Duft,
welcher die Erinnerung
wie ein kleines Feuer entfacht
und kurz, aber angenehm
auflodern lässt.

Schweigend umwittern
und ranken sich Sträucher
an den Türen hinauf
und teilen die Einsamkeit
in der Oase des Vergangenen.
Auf den Hütten wiegen sich Gräser
in den Wellen der Dächer
und aus manchen Laternen
strahlt das Licht gefiederten Lebens.

Hinter dem Vorhang des Waldes
öffnen sich
robuste Türen von gestern dem Meer.
Trümmer des Ostens,
die auch der Vorschlaghammer des Westens
nicht zerstören konnte.

In der Stille
weht der Charme des Zerfalles
auch über die letzten
stummen Accessoires hinweg
und ganz leise kann man
mit geschlossenen Augen
das letzte Echo
einer kleinen, deutschen,
mehr oder weniger demokratischen
Republik einfangen.
Komödie und Tragödie,
Volkseigentum, Ferienlager
und Endverbraucherpreis...